Du gehst eher optimistisch in die Zukunft, kannst gut mit Schwierigkeiten umgehen und Rückschläge gut verkraften? Keine Sorge, Du musst jetzt kein Bewerbungsschreiben schicken, aber wenn Du diese Eigenschaften bei Dir feststellst, dann verfügst Du wahrscheinlich über hohe mentale Stärke.  

Mentale Stärke hört man öfter, aber was ist das denn schon wieder? Einfach gesagt, haben Menschen mit hoher mentaler Stärke die Erwartung, dass sie in der Welt etwas bewegen können und sich selbst als wirksam erleben. Neben den oben genannten Eigenschaften können sie Emotionen besser positiv regulieren, um ihre Handlungen zu fördern und tun aktiv Dinge, damit ihre Zukunft besser wird.  

Ausprägungen von mentaler Stärke sind zum Beispiel: 

  

Wie kann ich meine mentale Stärke fördern?

Um mentale Stärke zu fördern, kann man zum einen Methoden aus der Positiven Psychologie anwenden und zum anderen Kompetenzen erwerben, die dann im Alltag und im Berufsleben wichtig sind.  

Als Methoden der Psychologie eignen sich zum Beispiel: 

Neben diesen Übungen der Positiven Psychologie gibt es noch die eben erwähnten Kompetenzen, die im Alltag und im Berufsleben wichtig sind. Wenn man über diese Kompetenzen, also Fähigkeiten, verfügt, werden Ziele leichter erreicht, und wie wir oben schon gelernt haben, führen erreichte Ziele zu besserer Mentaler Stärke (wir erinnern uns).  

Welche Kompetenzen sind das und welche davon hast Du vielleicht schon?  

Selbstkompetenzen  

Zeit- und Energiemanagement: Du weißt genau, was Du willst und was Du für Deine Ziele tun musst? Leute, die die eigene Zeit und Energie bewusst und zielgerichtet einsetzen, um Aufgaben zu erledigen, verfügen über eine hohe Kompetenz im Zeit- und Energiemanagement. Sie können ihre Termine und Aufgaben gut planen, koordinieren und umsetzen und vermeiden Ablenkung. Wenn Du Deine Zeit optimal nutzt und effizient und effektiv arbeitest, dann hast Du diese Kompetenz vielleicht schon.  

Planung und Organisation: Ausflüge planen ist immer Deine Aufgabe und Deinen Tag planst Du sowieso durch? Dann verfügst Du vielleicht über ausgeprägtes Geschick bei Aufgaben, die Organisationsvermögen, Systematik, Priorisierung und Koordination erfordern. Leute, die über diese Kompetenzen verfügen, können die Zukunft vorwegnehmen und sich vorstellen, wie die Aufgaben zu erledigen sind.  

Selbstmotivation und Ziele: Du kannst Dich auch bei Widerständen motivieren und verarbeitest Rückschläge gut? Dann verfügst Du über hohe Kompetenzen bei der Selbstmotivation und Zielsetzung. Leute, die über diese Fähigkeiten verfügen, können Ziele klar definieren und sich selbst gut motivieren, um diese auch zu erreichen. Sie können unliebsame Aufgaben besser bewältigen und so Emotionen generieren, die sie voranbringen.  

Selbst-PR: Du kennst Deine eigenen Stärken und weißt, wie Du sie einbringen kannst? Dann verfügst Du über eine hohe Selbst-PR-Kompetenz. Personen mit dieser Kompetenz besitzen die Fähigkeit, ihre Kompetenzen und Leistungen erfolgreich darzustellen. Die eigenen Ziele stimmen bei diesen Personen mit dem Selbstmarketing überein, was die Basis für eine gelungene Selbst-PR darstellt. Außerdem können sie sich flexibel anpassen und wissen, wann sie sich einbringen oder eher zurücknehmen sollten. 

Methodenkompetenzen 

Problemlösungskompetenz: Ob in der Schule oder in der Uni oder auf der Arbeit, Probleme lösen musste jeder schon einmal. Aber was macht Menschen aus, die eine hohe Problemlösungskompetenz haben? Oft haben diese ein ausgeprägtes analytisches Denken, sie kennen Methoden, um ihre Probleme zu beschreiben und lösen diese dann schrittweise. Dafür muss man die Ursachen und Auswirkungen von Problemen analysieren, um dann diesen unerwünschten Zustand in einen wünschenswerten Zustand umzuwandeln.  

Kreativität und Ideenfindung: Eng mit der Problemlösungskompetenz verwandt, ist die Kreativität und Ideenfindung. Keine Sorge, dafür muss man kein Picasso sein, es geht auch gar nicht um Kunst in dem Sinne. Vielmehr ist das Ziel, neue Produkte, Dienstleistungen oder auch nur nützliche Ideen zu entwickeln. Personen mit einer hohen Kompetenz in diesem Bereich sind innovationsbereit und flexibel, können neue Dinge ausprobieren und diese aber auch wieder verwerfen. Sie haben weniger Angst vor Fehlern und sehen diese als Bestandteil eines kreativen Prozesses mit dem Ziel, Ergebnisse zu schaffen. 

Präsentationskompetenz: Das Präsentieren von Plänen, Ideen, Ergebnissen, Lösungen und Erfolgen spielt fast überall eine Rolle, sei es in der Arbeitswelt oder bei der Frage, welcher Film beim nächsten Filmabend geschaut werden soll. Leute, die es immer schaffen, alle anderen von ihrer Wahl zu überzeugen und für sich zu gewinnen (und dann doch immer den gleichen Film aussuchen) verfügen über eine hohe Präsentationskompetenz. Diese Leute können ihre Themen souverän einbringen und rhetorisch überzeugen. Durch ihr sicheres Auftreten und den gekonnten Einsatz ihrer Körpersprache (vor allem Mimik und Gestik) können sie komplizierte Zusammenhänge einfach erklären und sich flexibel auf ihre Gesprächspartner einstellen.  

Sozialkompetenzen 

Wertschätzende Kommunikation: Kommunikation, egal auf welchem Weg, ist die Basis von zwischenmenschlichen Beziehungen. Die wertschätzende Kommunikation fördert das gegenseitige Verstehen, Grundlage dieser ist es, Abwertungen zu meiden und einen freundlichen Blick auf sich und andere zu haben. Bedürfnisse und Gefühle sind wichtig, Anklagen und Schuldzuschreibungen sollen dementsprechend vermieden werden. Stattdessen geht es um Verständnis, Kompromiss und konstruktive Lösungen. 

Empathie: Grundlage dieser wertschätzenden Kommunikation ist auch Empathie, also die Kompetenz, die Gefühle, Beweggründe und Probleme des Gegenübers zu erkennen und einfühlsam zu handeln. Einfühlsame Leute können sich in die Lage anderer gut hineinversetzen und erkennen, wenn andere einen Rat oder Hinweis benötigen. Sie sind gute Zuhörer, signalisieren Vertrauen und drücken sich der Situation entsprechend wertschätzend aus. Gesprochenes oder auch mimisches Feedback können empathische Personen gut deuten und sich dementsprechend auf Gesprächspartner gut einstellen. 

Konfliktkompetenz: Auch wenn sich der Name so anhört – Konfliktkompetenz heißt nicht, dass man weiß, wie man am besten Konflikte anfängt. Wenn man mit anderen sozial interagiert, gibt es immer Konfliktpotenzial. Da ein Einsiedlerleben allerdings nur den wenigsten vergönnt ist, ist es wichtig, mit Konflikten sinnvoll umzugehen und Lösungen zu finden. Leute mit hoher Konfliktkompetenz sind also dazu in der Lage Konflikte zu erkennen, zu analysieren und diese dann zu lösen. Sie verstehen Konflikte als Chance zur Verbesserung und können den Standpunkt des Gegenübers nachvollziehen, den Grund der Unzufriedenheit erkennen und zeigen Bereitschaft, Lösungen zu finden.  

 

Und wofür ist mentale Stärke eigentlich gut? 

Jetzt wo wir wissen, welche Kompetenzen zu Mentaler Stärke beitragen, stellt sich natürlich die Frage, welche langfristigen Auswirkungen Mentale Stärke hat. Einfach gesagt, sollte Mentale Stärke langfristig dazu führen, dass es Dir besser geht. Positive Gefühle wie Lebenszufriedenheit, Glück, Aufblühen, Arbeitszufriedenheit und psychische Gesundheit sollen verbessert werden. Negative Folgen wie Burnout-Tendenzen, psychosomatische Beschwerden, Stress und depressive Verstimmungen sollten sinken.  

Und weil das Leben ein Kreis ist (Hakuna Matata) gibt es auch hier Rückwirkungen. Positive Emotionen führen zu mehr Erfolg, der wiederum führt zu mehr positiven Emotionen und besseren Kompetenzen, die wieder zu mehr Erfolg führen. So wird eine positive Aufwärtsspirale in Gang gesetzt, die Dir überall in Deinem Alltag weiterhilft. 

Autor: Prof. Dr. Ottmar Braun